Profis für Azubis

ausbildungsstelle.com interviewt Personalprofis zum Thema Bewerberauswahl und optimale Bewerbung

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Gerd Andres,
Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales

"...Es geht um die eigene Zukunft. Je mehr ich mich in die Schule hineinknie - auch wenn es manchmal schwer fällt -, desto bessere Noten kann ich schaffen und umso besser sind meine Chancen um einen Ausbildungsplatz ..."


Interview:

ausbildungsstelle.com: Welche Ergebnisse bringt die aktuelle Arbeitsmarktpolitik für die Berufsstarter von morgen?

Gerd Andres: Zunächst einmal die positive Nachricht. Die Jugendarbeitslosigkeit geht zurück - im Vergleich zum Vorjahresmonat um 21 Prozent und damit noch stärker als die Arbeitslosigkeit insgesamt, die um 13 Prozent abnahm. Die Arbeitsmarktpolitik und die neue Weichenstellung in der Grundsicherung für Arbeitsuchende mit dem Gebot der unverzüglichen Vermittlung junger Menschen hat zu diesem positiven Ergebnis beigetragen. 2006 haben die Agenturen für Arbeit fast 620.000 arbeitslose und ausbildungsuchende Jugendliche gefördert und dafür rund 4 Mrd. Euro investiert.

ausbildungsstelle.com: Welche aktuellen Initiativen gibt es zur Verbesserung der Ausbildungsstellensituation?

Gerd Andres: Wir haben seit 2004 den Ausbildungspakt mit der Wirtschaft. Betriebe, Kammern und Agenturen für Arbeit tun alles, um möglichst allen Ausbildungsuchenden ein Ausbildungs- oder Qualifizierungsangebot zu unterbreiten. Dort ist eine neue Kultur der Zusammenarbeit entstanden, insbesondere auch bei der Nachvermittlung von Oktober bis Dezember, dann wenn das neue Ausbildungsjahr schon begonnen hat. Der Erfolg zeigt sich an der gestiegenen Zahl neuer Ausbildungsverträge. 576.000 junge Leute haben im Herbst eine Berufsausbildung begonnen, das waren 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Wir wollen diesen Pakt mit der Wirtschaft, der auf freiwilligen Zusagen fußt, fortsetzen. Die neue Einstiegsqualifizierung, bei dem der Bund einen Zuschuss zum Lebensunterhalt der Jugendlichen gibt, wird mit einem Sonderprogramm flankiert. Im Nationalen Integrationsplan, ein Ergebnis des Integrationsgipfels der Bundeskanzlerin im Sommer 2006, arbeiten wir mit allen Beteiligten, insbesondere den Migrantenorganisationen an Verbesserungen für junge Migrantinnen und Migranten. Bundesbildungsministerin Schavan hat einen Innovationskreis Berufliche Bildung gegründet, in dem unter breiter Beteiligung der am Ausbildungsgeschehen beteiligten Gruppen Vorschläge für strukturelle Verbesserungen im Ausbildungssystem erarbeitet werden. Dabei soll es insbesondere um ein systematisches Übergangsmanagement im Anschluss an die Schule gehen, damit auch leistungsschwächere Jugendliche in Ausbildung gebracht werden.

ausbildungsstelle.com: Was sollten die Bewerber nach Ihrer Meinung auf jeden Fall bei der Berufswahl beachten?

Gerd Andres: Jeder Schüler sollte als Leitmotto denken: Ich lerne nicht für die Schule, sondern für mich. Und deshalb muss ich mir auch schon früh Gedanken machen: Was will ich später werden? Wo liegen meine Neigungen und Fähigkeiten? Was macht mir Spaß in der Schule? Die Devise muss lauten: Jede Gelegenheit nutzen, um Infos über die Berufswahl einzusammeln. Damit erst im letzten Schuljahr anzufangen, kann schon zu spät sein. Da sind attraktive Ausbildungsplätze oft schon vergeben. Die Schülerbetriebspraktika zielführend nutzen und nicht als freie Zeit betrachten, in der man mal nicht in der Schule ist. Die eigene Motivation stärken hilft auch, für einen guten Schulabschluss zu kämpfen. Damit vermeidet man Schulmüdigkeit und Schulabbruch.

ausbildungsstelle.com: Wie meinen Sie, können sich Schulabgänger optimal auf den Berufsstart vorbereiten?

Gerd Andres: Praktika in Betrieben machen, in den Schulsprechstunden der Berufsberatung gezielt Fragen stellen, ins Berufsinformationszentrum gehen, mach's richtig und andere Berufswahlmedien der Bundesagentur lesen, das Internetangebot der Bundesagentur nutzen, insbesondere www.berufenet.de, nach Terminvereinbarung zum persönlichen Gespräch bei der Berufsberatung gehen. Bei der Berufswahl auch einmal an untypische Berufe denken. Die Informationen der Wirtschaftsverbände und Kammern nutzen. Auch regional mobil sein, wenn die Ausbildungsplätze in der Umgebung knapp sind; Berufsausbildungsbeihilfe kann bei auswärtiger Unterbringung helfen, wenn die Ausbildungsvergütung und das Einkommen der Eltern nicht reichen.

ausbildungsstelle.com: Was geben Sie den Schulabgängern von morgen ganz persönlich mit auf den Weg?

Gerd Andres: Es geht um die eigene Zukunft. Je mehr ich mich in die Schule hineinknie - auch wenn es manchmal schwer fällt -, desto bessere Noten kann ich schaffen und umso besser wird mein Schulabschluss. Damit verbessere ich meine Wettbewerbschancen um die begrenzte Zahl von Ausbildungsplätzen. Außerdem soll man immer an sich glauben und sich nicht entmutigen lassen, wenn etwas einmal nicht gleich so klappt, wie man es sich vorgestellt hat.

ausbildungsstelle.com: Vielen Dank Herr Andres, für das sehr informative und motivierende Interview.